Geschichte

Einem vielfach gehegten Wunsch entsprechend ergriffen im Juli 1927 einige Musikfreunde, insbesondere die Herren Kronig Xaver, Albrecht Leo, Armangau Erich, Heldner Julius, Pidroni Emil, Summermatter lsidor, Wyder Julius u. a. die Initiative zur Gründung einer Blechmusik in Glis. Alle Interessierten wurden am 13. Juli 1927 zu einer Aussprache in den Burgersaal eingeladen. Mit grosser Begeisterung beschloss man nach kurzer Diskussion einstimmig, einen Verein unter dem Namen ''Musikgesellschaft Glis'' ins Leben zu rufen. Durch schriftliche Abstimmung wurde sofort ein Vorstand gewählt, der sich wie folgt zusammensetzte:
Präsident: Xaver Kronig
Vizepräsident: Erich Armangau
Kassier: Johann Gentinetta
Aktuar: Albert Kronig
Beisitzer: Leo Albrecht

Diesem Vorstand wurde die Aufgabe übertragen, unverzüglich Statuten zu entwerfen, die von den Gründern unterschriftlich zu genehmigen seien. Wohl selten hat man einen so wirkungsvollen Vorstand gesehen. Innerhalb von acht Tagen arbeitete er die 31 Artikel umfassenden Statuten aus, sodass am 20. Juli 1927 im Burgerhause Glis die Gründungsversammlung stattfinden konnte. Nach den Angaben der Verfasser des Festbüchleins zum 25-jährigen Jubiläum waren die nachstehenden Gründungsmitglieder, deren Namen wir auch im Protokollbuche finden, anwesend:
Albrecht Leo
Armangau Erich
Gentinetta Johann
Holzer Josef
Kronig Xaver
Noll Hermann
Schmid Anton
Seiler Ignaz
Wyder Josef-Marie
Allenbach Hermann
Blatter Walter
Heldner Anton
Holzer Leo
Nanzer Emil
Pidroni Emil
Seiler Hans
Seiler Josef
Wyder Julius
Armangau Claude
Florey Stephan
Heldner Julius
Kronig Albert
Nanzer Ulrich
Schmid Albert
Seiler Ignaz
Summermatter lsidor
Zollinger Emil

Nach eingehender Diskussion wurden die neuen Satzungen von den Anwesenden einstimmig gut geheissen. Diese ersten Statuten enthielten alle nötigen Bestimmungen über Vorstand, Generalversammlung, Rechte und Pflichten der Aktiven usw. usw. Sie regelten in Art. 6 auch das Eintrittsgeld (Fr. 20.-) und die vierteljährlich zum voraus fälligen Monatsbeiträge von Fr. -.50, ferner das einmalige Geschenk der Ehrenmitglieder, das gemäss Art. 8 Fr. 100.- betragen sollte. Mit Bussen war man damals nicht knauserig: Verspätung bei Übungen kosteten Fr. -.20, unentschuldigte Abwesenheit Fr. -.50. Nach drei unentschuldigten Abwesenheiten gab es eine Verwarnung, nach weiterem dreimaligem unbegründetem Fehlen erfolgte der Ausschluss. Geldstrafen gab es auch, wenn man bei Anlässen unentschuldigt fehlte (Art. 16). Artikel 25 legt fest, dass die Gesellschaft nicht aufgelöst werden kann, wenn sie von ''12 spielenden Mitgliedern'' weitergeführt wird. Man ersieht aus dieser Bestimmung, dass die ''Musikgesellschaft Glis'' von ihren Vätern auf Dauer angelegt worden ist.
Als erster Dirigent konnte Herr Alfred Salzmann, PTT-Angestellter in Naters, verpflichtet werden. Zum Vize-Dirigenten wurde Leo Albrecht gewählt; er hatte dieses Amt bis zu seinem Tode am 15. August 1966 inne. Die Musikinstrumente wurden zum Teil von der bereits erwähnten Jünglingsvereinsmusik übernommen, fehlende wurden bei der Instrumentenfabrik Hirsbrunner in Sumiswald gekauft. Eifrig machten sich der junge Dirigent und die Musikanten ans Werk. Schon vier Monate nach der Gründung, am 18. Dezember 1927, wurde auf dem Dorfplatz das erste Konzert gegeben. Das Thermometer stand bei -17°C und das Protokoll vermerkt hierzu launig: ''Selbst die Verheirateten hatten Mühe, die neuen Blechtrompeten warm zu halten.'' Auf dem Programm dieses ersten Konzertes standen fünf Märsche: ''Gruss an Schloss Hüningen'' von E. Ruh, ''lm schönen Tessin'', ''Mit klingendem Spiel'' von T. Furter, ''Karl Küpfer-Marsch'' und ''Die Wacht am Gotthard''. Hinzu kam noch ein Walzer, dessen Überschrift nicht ermittelt werden konnte. Es könnte der ''Kaiserwalzer'' von Strauss gewesen sein. Wenden wir uns nun einer Reihe weiterer Premieren zu!
Die ersten Gehversuche machte die ''Musikgesellschaft Glis'' im Dezember 1927 auf dem Breitenweg zwischen Glis und Gamsen. Damals war die Kantonsstrasse noch nicht geteert und steinig und uneben. Es gab nur Fuhrwerke und ganz selten ein Automobil zu sehen, sodass man ohne grosse Probleme jederzeit auf öffentlicher Strasse üben konnte.

Das erste Neujahrsständchen galt der Geistlichkeit, dem H.H. Pfarrer Amherd und dem H.H. Kaplan Burgener, ferner den zwei ersten Ehrenmitgliedern, Alois Blatter, SBB Angestellter im Oberdorf, und Posthalter Alois Nanzer sowie der Dorfschaft Gamsen. Die erste Generalversammlung fand am 18. Januar 1928 im Restaurant ''Malteserkreuz'' statt. Da Präsident Xaver Kronig erkrankt war, wurde diese erste Generalversammlung von Albert Kronig geleitet. Man strich in dieser GV bereits einige Bussen, lehnte aber den Antrag auf Streichung der Monatsbeiträge ab. Drei neue Musikanten wurden in den Verein aufgenommen: Rudolf Holzer, Meinrad Michlig und Josef Nanzer (Geschina). Man beschloss auch, den Ehrenmitgliedern Diplome auszufertigen und im Burgerhause zu üben. Am 29. Januar 1928 wurde das erste Lotto im Hotel Müller durchgeführt. Es ergab einen Reingewinn von Fr. 1500.-, damals eine beachtliche Summe.
Am Ostermontag 1928 feierte die Pfarrei Brig-Glis die Primiz von Neupriester Dr. Antonio Di Francesco. Erstmals umrahmte die ''Musikgesellschaft Glis'' eine solche Feier mit ihren Melodien. Am 13. Mai 1928 fand bereits das erste Frühlingsfest an der Napoleonstrasse statt, das einen Reingewinn von Fr. 760.- erbrachte. Gleich nach diesem Frühlingsfest konnte die Gesellschaftihrem Vize-Präsidenten Erich Armangau das seither traditionelle Hochzeitsständchen darbringen.
Nun galt es, im Hinblick auf das Fronleichnamsfest zu proben. Wie es sich gehört, blies man am Morgen des Fronleichnamtages, um 04.00 Uhr, die erste Tagwacht auf dem Dorfplatz in Glis, ging dann zu Fuss ins Gstipfji und nach Gamsen, wo man, sicher stolz, diese aufrüttelnde Morgenmusik wiederholte. Um neun Uhr begann die Fronleichnamsprozession, an der wir erstmals mit Parademärschen teilnahmen. Am Nachmittag dieses Tages hielt man das erste ''Plegerwaldjifäscht'' ab, an dem durch Herrn Polenghi die erste Photographie des Vereins gemacht wurde. Sie ist hier zu sehen :


Für die Musikanten und ihre Frauen und ''Schätzelis'', wie das Protokoll vermerkt, wurde vor der Sommerpause ein unvergesslicher Spaziergang nach Simplon-Dorf organisiert, der insofern bemerkenswert ist, als man die illustre Gesellschaft einfach auf die Ladebrücke eines Lastwagens lud. Der erste Spaziergang war aber ein voller Erfolg. Da man beschlossen hatte, am Oberwalliser Tag, der am 2. September 1928 im Rahmen der Kantonalen Messeausstellung in Siders stattfand, teilzunehmen, ging es nach den Sommerferien wieder ans Üben. Als einzige Musikgesellschaft aus dem Bezirke Brig nahm man in Siders mit grossem Erfolg am Festumzug teil. Auf diese Freude folgte das Leid, am 13. Oktober 1928 unseren geschätzten H.H. Pfarrer Peter Amherd mit Trauerklängen auf seinem letzten Gang begleiten zu müssen. Auch an Allerheiligen nahm man erstmals an der Totenfeier auf dem Friedhof teil. Im Monat Dezember wurden dem neugewählten Gemeindepräsidenten und Gönner der Musikgesellschaft, Xaver Kronig, und dem neuen Kirchherrn Johannes Bittel Ständchen dargebracht. Bereits musste aber die Gesellschaft am Ende dieses Jahres die Abgänge der Aktivmitglieder Emil Zollinger und Ignaz Seiler verzeichnen. Als neue Ehrenmitglieder konnten zu dieser Zeit gewonnen werden: Nationalrat Josef Escher, Franz Armangau, Karl Pianzola, Johann Clausen, Josef Heldner, Josef Pianzola, Clemens Nanzer, Johann Holzer, Kamil Nanzer und Johann Gentinetta.
Man hat in diesem ersten Jahre nach der Gründung 16 neue Musikstücke gelernt: wahrhaft eine erstaunliche Leistung!
An der zweiten Generalversammlung vom 5. Januar 1929 legte der Gründungspräsident Xaver Kronig sein Amt nieder. Erich Armangau wurde sein Nachfolger. In Anerkennung der grossen Verdienste, vor allem auch bei der Finanzierung der neugegründeten ''Musikgesellschaft Glis'', wurde Xaver Kronig zum ersten Ehrenpräsidenten des Vereins gewählt. So darf man rückblickend voll Anerkennung sagen, dass die Gründer unserer Musikgesellschaft klare und kühne Planer, vor allem aber auch arbeitsfreudige, unermüdliche und erfolgreiche Realisatoren gewesen sind. Der Same, den sie gesät haben, ist in den letzten 74 Jahren zu einem grossen blühenden Baum geworden, an dem wir uns heute erfreuen. Für ihre kluge und weitsichtige Gründungsarbeit verdienen die ersten Pioniere der ''Glishorn'' aufrichtigen Dank.
Man wird sich fragen, wie es denn eigentlich mit dem Namen der ''Musikgesellschaft Glis'' bestellt sei. Nun, im Jahre 1929 kam unser Verein auch zu seinem heutigen Namen. Die Fahnenstickerei verlangte damals eine Ansicht des Dorfes Glis, welche die eine Seite der neuen Vereinsfahne zieren sollte. Auf dieser Ansicht war, wie Sie vermuten, das Glishorn nicht zu übersehen. So finden wir auf einem Briefe der Firma Kurer-Schädler & Co., Wil, zum ersten Male den Namen ''Musikgesellschaft Glishorn''. Wer diese Idee zuerst hatte, ist heute schwer auszumachen. Immerhin ist der Name treffend und gut gewählt. ''Glishorn'' und ''Glishornist'' sind Begriffe, die wir nicht mehr missen möchten. Die Bezeichnung ''Glishorn'' fügt sich auch gut in den Rahmen der übrigen Namen von Musikgesellschaften im Oberwallis, die sich ja fast alle nach Flüssen, Alpen, Bergen usw. benennen.

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08.04.2010 08:52
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